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Elektrizitätswerke Reutte

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Die Kraftwerke Reutte I und II

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Die Gesamtansicht der Kraftwerke Reutte I und II mit einer sehenswerten Aulandschaft

Textilunternehmen gehören mit zu den Pionieren, die schon frühzeitig die Wasserkraft für die Stromerzeugung nutzten. 1867 wurden die Wasserräder zum Antrieb der Textilmaschinen vom damaligen Eigentümer, der „k. k. priv. mechanischen Baumwollspinnerei und -weberei F. C. Hermann“, durch Wasserturbinen ersetzt. 1887 fand erstmals in Reutte elektrische Energie hauptsächlich für die Beleuchtung der Fabrikhallen durch Einbau von Gleichstromgeneratoren Verwendung. Als 1903 das Kraftwerk Plansee in Betrieb ging, gehörten die Textilwerke zu den ersten Stromabnehmern: Ein großer, 225 PS starker Motor wurde aufgestellt und ersetzte den unsicheren Antrieb über die Wasserturbinen, die vor allem im Winter ein Problem darstellten. 

Mit Bescheid vom 5. Februar 1949 genehmigte das Amt der Tiroler Landesregierung den Reuttener Textilwerken den Neubau des alten Lech-Holzwehres und den Umbau der alten Kraftwerksanlage. Die Wehranlage wurde auf einem schräg zum Lechfluss verlaufenden, sichtbaren Felsband errichtet. Ursprünglich war diese Stelle bei „Platten“ die flussauf und flussab einzige Furt für Handelstransporte über den Lech. Durch mehrmalige Umbauten und Verbesserungen veränderte sich das ursprüngliche Steinkastenwehr zur heutigen, neuzeitlichen Wehranlage mit Geschiebedurchlässen und Absperrorganen.

Die heute mit Kraftwerk „Reutte II“ bezeichnete neue Anlage ging 1951 mit einer Kaplan-Propellerturbine mit Drehstromsynchrongenerator und einer Leistung von 600 Kilowatt in Betrieb. Ebenfalls 1951 wurde die Errichtung eines weiteren Kraftwerkes, ein paar hundert Meter lechaufwärts des Werks II, genehmigt und 1956 mit einer Kaplanturbine mit Drehstromsynchrongenerator und einer Leistung von 1000 Kilowatt in Betrieb genommen. Ein kurzer Kanal führt zum Absitzbecken. Darin lagern Feinsand und Schwebteile ab, die wiederum  über einen Seitenauslass in den Lech abgespült werden können. Zwischen Absitzbecken und dem Oberwasserkanal des Kraftwerks I befindet sich das Not-schlussschütz. Das im Kraftwerk I abgearbeitete Triebwasser gelangt über einen weiteren Kanal zu den Maschinen im Krafthaus II.

Auf der gesamten Ausleitungsstrecke zwischen den Kraftwerksanlagen und dem Lechbett hat sich eine sehenswerte Aulandschaft entwickelt. Der Austreifen endet im unteren Bereich an dem zum Lech hin gekrümmten Unterwasserkanal des Kraftwerks II.


Kraftwerk Reutte I


Kraftwerk Reutte II


Die erzeugte Energie benötigten die Textilwerke zu einem guten Teil selbst. Für den Verbundbetrieb mit dem EWR wurde ein Kuppeltrafo aufgestellt.

Im Zuge einer generellen Sanierung des Unternehmens wurden beide Kraftwerke 1983 an die „WKG-Wasserkraftwerke GesmbH & Co. Reuttener Lechwerke KG“ verkauft. Das EWR war an einem Kauf der Werke ebenfalls interessiert. Nach langwierigen Verhandlungen konnte ein Vertrag abgeschlossen werden, der eine Beteiligung und zu einem späteren Zeitpunkt den gänzlichen Erwerb vorsah. Vorerst war das EWR als Gesellschafter mit 18 Prozent beteiligt und übernahm zusätz­lich die Betriebsführung und Wartung der gesamten Anlagen. Hierbei wurden die Werke vollautomatisiert und in das EWR-Fernsteuernetz eingebunden. 1986 baute die WKG im Kraftwerk II einen weiteren Maschinensatz mit einer Nennleistung von 600 Kilowatt, und zwar eine vertikalachsige Kaplanturbine mit Dreh­stromsynchrongenerator, ein.

Die Gesamtleistung der Kraftwerke I und II beträgt nunmehr 2200 Kilowatt. Die Aufwen­dungen für die Sanierung der Anlagen, besonders an den umfangreichen baulichen Anlagen, waren die ganzen Jahre sehr hoch. Am 1. Juni 1988 erwarb das EWR die gesamten Kraftwerksanlagen.