Bau des Kraftwerks Heiterwang
![]() Das Kraftwerk Heiterwang mit Kanal zum Heiterwanger See |
Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg befasste sich das EWR mit dem Gedanken, durch Bachüberleitungen in den Speicher Plansee die Kapazität des Kraftwerks Plansee zu erhöhen. Insbesondere bot sich hier die Überleitung des Rotlechs, eines rechts gelegenen Seitenbaches des Lechs mit Einmündung bei Weißenbach, in den Heiterwanger See und damit auch Plansee an. Parallel zum EWR bewarben sich auch die Reuttener Textilwerke AG bei der Wasserrechtsbehörde um die Nutzung des Rotlechs für die Energieerzeugung. Die Textilwerke sahen keine Überleitung, sondern eine direkte Abarbeitung des Wassers zum Lech vor. Der Wasserrechtswiderstreit wurde im Oktober 1966 vom Verwaltungsgerichtshof zugunsten der EWR entschieden. |
Im Zuge dieses Widerstreites war als Auflage des Bundesministeriums für Land und Forstwirtschaft für die Einzugsgebiete Plansee, Rotlech und Namlosbach ein wasserwirtschaftlicher Rahmenplan zu erarbeiten, der 1969 von der Behörde bescheidmäßig anerkannt wurde. Den Auftrag für die Ausarbeitung erteilte das EWR an TIWAGVorstandsdirektor Zivilingenieur Dipl.-Ing. Dr. Harald Lauffer.
Die Überleitung des Rotlechs in den Heiterwanger See mit der Zwischenstufe Kraftwerk Heiterwang sowie die LiegfeistbachBeileitung in den Rotlechspeicher waren im Rahmenplan enthalten. 1974 erhielt das EWR die wasserrechtliche Genehmigung.
Von 1975 bis 1977 erfolgte die Baudurchführung, und zwar des Speichers Rotlech, der Überleitung des Kraftwerks Heiterwang und des Unterwasserkanals. 1983/84 erfolgte die Überleitung des Liegfeistbaches in den Rotlechspeicher.
| Im Rotlechtal wurde unter Ausnutzung einer Schluchtstrecke bei der Raazwaldalm eine Schwergewichtsbetonmauer mit anschließendem Damm errichtet. Der dadurch entstandene Stausee ist etwa einen Kilometer lang. Er wird als Wochenspeicher mit einem nutzbaren Inhalt von 1,1 Millionen Kubikmeter genutzt. Das Triebwasser wird knapp oberhalb des Sperrenbauwerkes entnommen und über einen 4,6 Kilometer langen Druckstollen unter dem Thanellermassiv nach Heiterwang übergeleitet. Der Stollen mit einem Durchmesser von 3,2 Metern wurde in Frästechnik vorgetrieben. Am Ende des Druckstollens oberhalb von Heiterwang befindet sich das Wasserschloss. Im Anschluss daran geht das Triebwassersystem in eine ein Kilometer lange unterirdische Druckrohrleitung mit Einbindung in das Krafthaus über. Die beiden vertikalachsigen Francisturbinen mit Drehstromsynchrongenerator haben zusammen eine Leistung von 8200 Kilowatt. Die Stromerzeugung im Regeljahr beträgt 15 Millionen Kilowattstunden. Die Stromabgabe erfolgt in das 25.000-Volt-Versorgungsnetz. Durch den vorgelagerten Wochenspeicher wird das Kraftwerk weitgehend zur Mitabdeckung der Leistungsspitzen herangezogen. Das abgearbeitete Wasser wird über einen rund 1,5 Kilometer langen, offenen Unterwasserkanal dem Heiterwanger See und somit dem Planseespeicher zugeführt. |
![]() Der Vortrieb des Druckstollens unter dem Thaneller erfolgte mittels Fräse mit einem Durchmesser von 3,2 Meter. |



