Fremde Wasserkraftpläne für den Plansee
![]() Dipl.-Ing. Ferdinand Petters, technischer Direktor von 1932 bis 1939 |
1927 präsentierte die finanzkräftige württembergische „Lech-Plansee-Werke G. m. b. H.“ in Stuttgart ein Projekt, das alles bisher Geschaffene unbedeutend erscheinen ließ. Durch eine 15 Meter hohe Sperre am Ostende des Plansees und entsprechende Sperren bei der Seespitze sollte der Wasserspiegel von 976 Meter Meereshöhe auf 1013 Meter, also um 37 Meter, aufgestaut werden. In der Seehöhe von 961 Metern sollte ein vier Kilometer langer Stollen mit 130 Meter Fallhöhe das Wasser nach Pflach leiten. Es hätte sich dadurch eine maximale Senkung des Seespiegels um 52 Meter ergeben. Der Stollendurchmesser war auf eine maximale Wasserentnahme von 210 Kubikmetern pro Sekunde berechnet, die Maschinenleistung auf rund 400.000 PS mit einer Jahresenergie von 300 Millionen Kilowattstunden ausgelegt. Die Zufuhr des Wassers sollte durch den Lech erfolgen, der in Häselgehr bei der Mündung des Otterbaches gestaut und dann in einer 27 Kilometer langen Hangrohrleitung und abschnittsweise mit Stollen nach Heiterwang geführt werden sollte. Die auf der Strecke liegenden Bäche – Streimbach, Hornbach, Namloser Bach und Rotlech – wären mit Sonderfassungen in die Rohrleitung einbezogen worden. |
| Die Bezirkshauptmannschaft lud am 31. Mai die betroffenen Gemeinden zu Informationsveranstaltungen nach Häselgehr, Reutte und Heiterwang ein. Vom 18. bis zum 21. Juli besichtigte eine Kommission das Lechtal und fand die Stauung bei Häselgehr aus geologischen Gründen für nicht richtig. Landesregierung und Bezirkshauptmannschaft stellten sehr weit reichende Forderungen zum Schutz der Gemeinden und der Bevölkerung, u. a. auch die Verbauung sämtlicher Wildbäche, um eine Verschotterung und Versumpfung des Tales zu verhindern. Es setzten auch Proteste aus Heiterwang ein. Man protestierte dagegen, „eine bestehende Dorf-generation“ für die „Interessen des Geldsackes“ zu opfern, wenn „ein heimattreues Dorf aus Kleinbauern bestehend“ gezwungen werde, „die lieb gewordene Heimatscholle, die ihre Ahnen in Schweiß und Not geschaffen“, verlassen zu müssen. Auch in Wien trat bereits eine große Kommission zur Prüfung des Projektes zusammen. Dass das Projekt nicht ausgeführt wurde, verdankt es auch politischen Umständen. Der Justizpalast hatte gebrannt, und ein Generalstreik war ausgebrochen. Nach glaublichen Überlieferungen sagte damals ein Mann aus dem Volk: „Löscht’s z’erst ’s Feuer am Dach, vor ihr’s Wasser abkehrt!“ |
![]() Franz Hosp, kaufmännischer Direktor von 1932 bis 1959, Amtsverwalter der Marktgemeinde Reutte von 1934 bis 1938, Bürgermeister von 1945 bis 1949 |



