Ansiedlung des Metallwerks Plansee
![]() Das Metallwerk Plansee, Ausbaustadium um das Jahr 1929 |
Die Abtretung von 300 PS Strom an die Eheleute Singer war schließlich ein „Schlüsselereignis“ für die weitere Entwicklung nicht nur des EWR, sondern der gesamten Reuttener Wirtschaft. Der Rechtsvertreter Singers, der schon mehrmals erwähnte Dr. Hermann Stern, versuchte nun erfolgreich, die Wasserrechte von Singer an geeignete Interessenten zu veräußern. Ein mit Stern befreundeter Münchner Anwalt vertrat Dr. Paul Schwarzkopf, und auf diese Weise kam der Kontakt mit Dr. Schwarzkopf und dessen erster Besuch in Reutte zustande. Am 23. April 1921 erfolgte die von den beiden Anwälten vorbereitete Firmengründung, wobei die Firma zunächst nicht als „Metallwerk Plansee“, sondern als „Deutsche Glühfadenfabrik, Richard Kurtz und Dr. Ing. Paul Schwarzkopf GmbH“ mit dem Sitz in Reutte firmierte. |
Die Gemeinde Reutte hatte am 30. April 1901 mit der Gemeinde Breitenwang die Vereinbarung geschlossen, dass die erste Fabrik, die elektrischen Strom benötigen würde, sich auf Breitenwanger Gemeindegrund ansiedeln müsse. Als dann dieser Fall eintrat und es zur Ansiedlung des Metallwerks kommen sollte, wurde von keiner Seite – weder durch die Gemeinde Breitenwang, noch durch die Gegner in Reutte – auf diese Vertragsbestimmung hingewiesen. Mit anderen Worten: Diese Vertragsbestimmung war im Verlaufe von zwanzig Jahren in Vergessenheit geraten!
Dass es dennoch zur Ansiedlung in Breitenwang kam, hatte ganz andere Gründe. Hans Singer, der für Dr. Schwarzkopf die Gespräche führte, verhandelte zunächst ausschließlich mit der Gemeinde Reutte, ohne dass es zu einem Widerspruch seitens der Gemeinde Breitenwang gekommen wäre. Der damalige Gemeinderat von Reutte war – entgegen der immer wieder kolportierten Meinung! – keineswegs industriefeindlich eingestellt, sondern billigte zweimal Grundverkäufe. Am 28. Juni 1921 billigte er einstimmig den Verkauf von 4000 Quadratmetern Gemeindegrund zur Erbauung einer „Feinstahlfabrik“ im Hirschengärtle. Als dieser Verkauf an einem Einspruch des Landes scheiterte, beschloss der Reuttener Gemeinderat am 16. August 1921 abermals, 4000 Quadratmeter Gemeindegrund am rechten Archbachufer zu verkaufen. Dieser Beschluss fand im damals 20-köpfigen Gemeinderat eine Mehrheit von 18 Stimmen, sodass eigentlich der Industrieansiedlung auf Reuttener Grund nichts mehr im Wege stehen sollte.
Einem einzelnen Gemeinderat gelang es aber, einen Einspruch bei der Landesregierung gegen diesen Grundverkauf und gegen die Abgabe von Strom zu lancieren und er brachte das Industrieprojekt, das nunmehr „Metallwerk Plansee“ hieß, auf Reuttener Gemeindegrund zu Fall. Dieser Einspruch beinhaltete u. a. auch die Behauptung, dass die erwähnte Abgabe von 300 PS Strom nicht lieferbar sei und die Gemeinde Reutte zu solchen „Industriespekulationen“ nicht „die Hand reichen“ dürfe.
Der Einspruch wurde nach längerem Verfahren 1924 zwar endgültig abgewiesen, jedoch konnte Hans Singer, der für Dr. Schwarzkopf verhandelte, nicht bis zur Beendigung des Verfahrens warten. Er zog es vor, Gründe im Gemeindegebiet von Breitenwang zu erwerben, wo das Metallwerk auch gebaut wurde.


