Der Bau des Kraftwerks
![]() Einweihung des Elektrizitätswerks am 27.Juni 1903 |
Mit Gemeinderatsbeschluss vom 22. Juli 1901 übergab die Gemeinde Reutte schließlich den Auftrag zum Bau des EWR an Siemens-Schuckert. Mit der Bauausführung wurde die Firma „Diss et Comp.“ beauftragt, die 17 heimische Arbeitskräfte am Bau beschäftigte. Die Wasserfassung wurde am natürlichen Abfluss des Plansees oberhalb des „kleinen Stuibenfalls“ – worunter damals nicht die vorderen Stuibenfälle, sondern der hinterste, dem Plansee nächste, verstanden wurde – errichtet. Ein 1240 Meter langer Druckstollen mit kleinem Wasserschloss und einer oberirdischen Druckrohrleitung von 110 Zentimeter Durchmesser führte zum Krafthaus im Talboden. Der Bau kostete bis 1904 schließlich genau 851.761,54 Kronen. |
Schon im Dezember 1902 konnte das Kraftwerk Plansee mit einer Leistung von zwei mal tausend PS seinen Erstbetrieb aufnehmen. Am 27. Jänner 1903 erfolgte die feierliche Einweihung. Mit der offiziellen Inbetriebnahme des Kraftwerks Plansee und der Errichtung der ersten Versorgungsleitungen von dieser Stelle aus wurde bereits der Begriff „Zentrale“ geprägt. Noch vor Ende des Jahres 1902 leuchtete erstmals elektrisches Licht in Reuttes Straßen. Nach ent-sprechenden Angeboten von Siemens-Schuckert hatte die Gemeinde Reutte am 16. August 1902 den endgültigen Beschluss zur Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung gefasst. 53 Glühlampen und 12 Bogenlampen wurden installiert, wovon 41 Glühlampen nur bis 22 Uhr leuchteten, die restlichen 12 Glühlampen ab diesem Zeitpunkt als Ersatz für die bis dahin brennenden Bogenlampen die Beleuchtung fort-setzten. |
![]() Das Kraftwerk Plansee nach 1903 |
![]() Das Ensemble der „Zentrale“ 1903; v. l. n. r.: ehem. Wirtschaftsgebäude, ehem. Papiermühle, ehem. „Russenstadel“, neues Kraftwerk. Im nicht mehr bestehenden „Russenstadel“ waren 1799 russische Soldaten einquartiert gewesen. |
Ein neues technisches Zeitalter war angebrochen; das erkannten auch die Reuttener Franziskaner. Im Jahr 1902 ist in deren Chronik zu lesen: „Am 19. Dezember machte hier die erste electrische Marktbeleuchtung großes Aufsehen.“ Und im Jahr 1903 schrieben sie unter dem Titel „Vollendung der electrischen Beleuchtung“ in ihre Chronik: „Die weitere Einrichtung zur electrischen Beleuchtung ging verhältnismäßig rasch vorwärts und am 28. Juni, dem Vorabende vom Namensfeste unseres R. P. Guardian brannte das electrische Licht bereits in seinen Zellen, beim M. V. P. Vikar und im Refektorium. Auf das Fest der Hl. Anna wurde die Installierung vollständig fertig.“ Die Franziskaner leisteten Pionierarbeit in Reutte und waren Vorbild für private Haushalte, sich vermehrt anzuschließen. Für die Elektrifizierung der St.-Anna-Kirche bewilligte die Marktgemeinde einen jährlichen Betrag von 120 Kronen. |




