Von der Idee zur Planung
![]() Bürgermeister Alois Bauer (1894-1914) |
Die neue Technologie war also in Reutte zwar weitgehend, aber doch nicht gänzlich unbekannt, als sich der Reuttener Gemeinderat unter Bürgermeister Alois Bauer noch im ausgehenden 19. Jahrhundert mit einem Wasserkraftprojekt befasste. Erstmals war Elektrizität bei der Gemeinderatssitzung vom 19. Juni 1897 aktuell. Wir lesen: „Ferner wurde beschlossen, um eine Conzession zu einem Elektricitätswerk zur Benutzung des Wassers vom kleinen Stuibenfall anzusuchen.“ Bereits am 20. Juli 1897 lag den Gemeindevätern ein Plan des Landes-Oberingenieurs Hohenleitner zur Errichtung eines Elektrizitätswerkes in den Stuibenfällen vor. Am 10. September 1897 übermittelte die Gemeinde diese Pläne der Bezirkshaupt-mannschaft mit der Bitte um Genehmigung. |
Im Dezember 1898 erneuerte die Gemeinde ihr Gesuch und beschrieb die Technik und die Anwen-dungsmöglichkeiten des Stroms näher. Der erzeugte Strom sollte für öffentliche Gebäude und Plätze, den künftigen Bahnhof aber auch für die projektierte Bahnlinie von Reutte nach Pfronten Verwendung finden.
Diese günstige Wasserkraft blieb natürlich auch anderen Interessenten nicht verborgen. Bald darauf meldete sich aus München Franz Wolf, der Besitzer der ehemaligen Papiermühle, um der Gemeinde seine Vorstellungen vorzutragen. Die Gemeindeväter zeigten sich aber am 21. August 1897 von dessen Projekt wenig angetan. Sie verlangten, bessere und günstigere Bedingungen zu stellen, ansonsten werde man auf eigene Kosten bauen. Ein anderer Interessent legte der Gemeinde ebenfalls 1897 einen Plan für ein Kraftwerk am Plattachbach bei der Neumühle vor. Dieses wurde sofort wegen der Befürchtung, dass dann im Winter die Ritsche – das offene Wassergerinne durch Reutte – zu wenig Wasser haben könnte, abgelehnt.
Konkrete Formen nahm das Plansee-Kraftwerksprojekt 1898 an, als Kontakte zu den „Österreichischen Siemens-Schuckert-Werken“ aufgenommen wurden. Am 22. November 1898 beschloss der Gemeinderat, dem Plan von Wolf nicht näher zu treten, sondern die Kraftwerksfrage selbst in die Hände zu nehmen. Er beschloss gleichzeitig, Verhandlungen mit der Gemeinde Breitenwang wegen gemeinsamer Errichtung eines Kraftwerkes aufzunehmen. Doch Breitenwang zeigte an diesem Angebot kein Interesse und lehnte auch später eine finanzielle Beteiligung, aber – zunächst – auch jede Abtretung von Grund, ab.
Reutte war daher gezwungen, ein künftiges Werk am Auslauf der Stuibenfälle – also auf eigenem Reuttener Gemeindegrund – zu bauen. Hier bot sich das Areal der ehemaligen Papiermühle, wo heute die „Zentrale“ des EWR steht, an, die auch über gewisse Wasserrechte verfügte.
Doch der neue Besitzer dieser ehemaligen Papiermühle, Ökonomierat Josef Aichbichler, ein mächtiger Guts- und Brauereibesitzer aus Wolnzach in Bayern, außerdem bayerischer Landtags- und deutscher Reichstagsabgeordneter, bewarb sich selbst um eine Konzession. Er war Besitzer der Wasserrechte am Archbach und der Wasseranlagen, die allerdings kurz zuvor durch ein Hochwasser zerstört worden waren. Aichbichler legte seinerseits der Gemeinde ein Projekt vor, das diese zunächst nicht annehmbar fand.
Am 6. April 1899 zeigte die Gemeinde aber wieder Interesse an Aichbichlers Projekt. Sie verlangte von ihm 8000 Gulden, damit sie ihr Konzessionsansuchen zurückziehe und erklärte sich bereit, unter gewissen Bedingungen Strom von ihm abzunehmen. Doch bereits am 6. Juni dieses Jahres waren alle Verhandlungen mit Aichbichler gescheitert.


