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Elektrizitätswerke Reutte

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Neue Energie – alte Standorte

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Die ehemalige Papiermühle um 1900

Zwar kannten schon die alten Griechen die Elektrizität und gaben ihr den Namen für Bernstein „Elektron“. Doch es sollte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts dauern, ehe die Kenntnis der Elektrizität zum elektrischen Strom, und damit zu einer der umwälzendsten Neuerungen, ohne die das heutige Leben undenkbar wäre, führte. Das wichtigste Jahr auf dem Weg zur neuen Energie war 1866, als Werner von Siemens den „Dynamomaschine“ genannten Generator erfand. Nun konnten elektrische Ströme in bis dahin ungekannten Stärken verlässlich und wirtschaftlich erzeugt werden.

Der Aufschwung der Elektrizitätswirtschaft setzte in den 1880er Jahren ein: 1881 erste elektrische Probebeleuchtung in Innsbruck am Rennweg, 1882 Straßenbeleuchtung in München, 1884 erste österreichische „Electrische Ausstellung“ in Steyr. Im selben Jahr errichtete die Rauchmühle in Innsbruck ein kleines Kraftwerk. 1886 ging in Scheibbs in Niederösterreich das erste öffentliche der Donaumonarchie in Betrieb. 1888/89 wurde in der Mühlauer Klamm ein Elektrizitätswerk für die Stadtbeleuchtung Innsbrucks erbaut.

Die erste Elektrifizierung in Reutte war ebenfalls schon sehr früh: 1887 nahm die „k. k. priv. Baumwoll-spinnerei und -weberei F. C. Hermann“ zwei Gleichstrom-Aggregate mit je 60 PS in Betrieb und beleuchtete damit die Fabriks- und Wohngebäude. Die Leute eilten herbei, um dieses „Lichtwunder“ zu bestaunen. Ein technisches Kuriosum – nicht unweit von Reutte – am Rande: In der 1877 fertig gestellten Grotte im Linderhof hatte König Ludwig II. – der letztlich seiner Zeit technisch weit vorauseilende „Märchenkönig“ – bereits eine Dynamomaschine installieren lassen, die künstliche Wellen erzeugte und deren elektrisches Licht die Grotte in verschiedenen Farben erstrahlen ließ.
 
Hatte die Elektrizität zwar eine sehr junge Geschichte, so finden wir ihre Erzeugung weitgehend an alten Industrie- und Gewerbestandorten, denn das Wasser war von alters her neben dem Feuer die wichtigste Energiequelle. Der Plansee mit seinem Abfluss, dem Archbach, war eine wirtschaftliche Lebensader. Dessen Wasser diente nicht nur zum Triften des Holzes, des natürlichen Reichtums der Gemeinde. Die heutige „Zentrale“ des EWR steht an der Stelle einer 1766 gegründeten Papierfabrik. Weiter flussabwärts reihten sich zahlreiche Mühlen aneinander, deren einzige, die die Jahrhunderte überdauerte, heute das Kraftwerk Mühl beheimatet. Weiter flussabwärts steht das Kraftwerk Hüttenmühle im Areal eines bereits 1509 gegründeten Messingwerkes. Noch weiter in die Geschichte – nämlich ins ausgehende Mittelalter – reichen die Anfänge des Standortes in Biberwier als einst bedeutendstem Bergbauort des Außerferns zurück.